Verkehrspolitisches

Wir nehmen als beratendes Mitglied an den Sitzungen des Verkehrsauschusses der Stadt Lingen teil.
Hier haben wir die Möglichkeit, uns aktiv für die Belange der Radfahrerinnen und Radfahrer einzubringen.
Konkrete Anliegen werden formuliert, Lösungsvorschläge erörtert.... immer mit dem Ziel, das Fahrradklima in unserer Stadt weiter zu verbessern und die Akzeptanz des Radfahrens zu stärken.

Es tut sich was in Lingen: Das Radfahren soll sicherer werden!

Das Radfahren soll komfortabler werden. Nach dem Stadtratsbeschluss im Januar dieses Jahres wird nun eine weitere der beschlossenen Maßnahmen im Rahmen des so genannten Klimaschutzteilkonzeptes umgesetzt: Die Benutzungs-Pflicht von innerstädtischen Radwegen wird überprüft und – das lässt sich schon jetzt sagen – wohl weitestgehend aufgehoben werden.

Seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung im Jahre 2009 sollen Radfahrer regelmäßig auf der Fahrbahn statt auf getrennten Radwegen geführt werden. Eine Benutzungspflicht soll nur dann angeordnet werden dürfen, wenn Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss dies erfordern. Voraussetzung dafür ist aber weiterhin eine Radwegeanlage, die Komfort und Sicherheit bietet – und den Fußgängern genügend Platz lässt.

Grund für diese Neuregelung ist vor allem die durch verschiedene Studien belegte Tatsache, dass Radfahrer auf der Fahrbahn eher von Autofahrern bemerkt und so Unfälle, vor allem in Kreuzungsbereichen vermieden werden. Gleichzeitig wird die Gefährdung von Fußgängern durch Radfahrer reduziert.

Was wird sich nun in Lingen ändern? Zum einen werden eine ganze Reihe der blauen Radwegeschilder abgebaut werden, zuerst an der Bernd-Rosemeyer-Straße, der Burgstraße, der Wilhelmstraße und der Waldstraße. Begleitet wird diese Maßnahme an vielen Stellen durch Fahrrad-Piktogramme auf der Fahrbahn, die einerseits dem Radfahrer signalisieren sollen, dass er auf der Fahrbahn fahren darf. Andererseits machen diese dem Autofahrer deutlich, dass sich der Radfahrer vor ihm nicht verkehrswidrig verhält, obwohl dieser statt auf dem Hochbord auf der Straße fährt. An manchen Stellen werden zusätzlich Schilder auf die veränderte Radfahrerführung hinweisen.

Welche Folgen werden diese Neuerungen haben? Radfahrer können nun zu-meist bequemer und zügiger auf der Fahrbahn fahren. Gleichzeitig können sie häufig auch weiterhin die Radspur auf dem Hochbord nutzen, müssen es aber nicht mehr. Linksabbiegen wird für Radfahrer, die sich bereits auf der Fahrbahn befinden, sehr viel komfortabler. Radfahrer können an Ampeln die längere Grünphase der Autofahrer nutzen, statt sich den Fußgängerampeln „unterordnen“ zu müssen. Und schließlich können sich Fußgänger ungestörter und siche-rer fühlen, da Radfahrer nicht mehr „ihre“ Wege benutzen; das Schild „Radfahrer frei“ wird es zukünftig in Lingen immer seltener geben.

Die Stadt Lingen, Polizei und ADFC hoffen, dass das Radfahren in Lingen so sicherer, komfortabler und attraktiver wird. Dass mehr Bürgerinnen und Bürger vom Auto auf das Rad umsteigen werden. Und dass alle Verkehrsteilnehmer –  Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger – sich schnell an die neue Situation gewöhnen, aufeinander achten und aufeinander Rücksicht nehmen werden.
Hier einige Links:

 

Der Leserbrief dazu von Axel Haming

Angesichts der Diskussion um die Überprüfung der Radwegebenutzungspflicht möchte ich einige meiner Alltags-Radfahr-Erfahrungen wiedergeben.

Fahre ich den K.-Adenauer-Ring entlang, so erlebe ich einen mehrfachen Wech-sel von benutzungspflichtigen Radwegen mit Fußwegen, auf denen „Radfahrer frei“ gilt. Letzteres bedeutet für Radfahrer aber Schrittgeschwindigkeit, Fuß-gänger haben Vorrang. Will ich nun bspw. in Höhe der Joh.-Meyer-Straße mei-ne Fahrt in Richtung Arbeitsagentur zügig fortsetzen, so bin ich gezwungen – für den Autofahrer kaum vorhersehbar – vom Hochbord auf die Fahrbahn zu wechseln. Ein Konflikt der vermeidbar wäre, wenn ich mich bereits zuvor auf der Fahrbahn befunden hätte.

Besonders schwierig ist das Linksabbiegen. Will ich beispielsweise vom Kreis-verkehr bei den Stadtwerken kommend nach links in die Parkstraße abbiegen, muss ich mich vom Hochbord in den fließenden Verkehr einfädeln – ein nicht selten recht brenzliges Unterfangen. Noch problematischer ist es am K.-Adenauer-Ring, wenn ich auf dem Hochbord fahrend nach links entweder in die Straße „Am Gasthausdamm“ oder etwas weiter in die Straße „Am Alten Hafen“ einbiegen möchte.

Radfahrer, vor allem E-Bikes, sind heute immer öfter mit 25 km/h und mehr unterwegs. Rechts abbiegende Autofahrer übersehen diese Räder leicht, wenn sie auf dem Hochbordradweg fahren.  So ist mir das erst unlängst an der Kreu-zung am Finanzamt passiert, als ein Autofahrer nach rechts in die Weidestraße abbiegen wollte. Fast wäre ich „umgenietet“ worden. Wäre ich auf der Fahr-bahn gefahren, hätte er mich sicher wahrgenommen. Unklar ist dort übrigens auch die Ampelregelung. Grundsätzlich gilt, dass sich Radfahrer nach der Am-pelschaltung der Kraftfahrzeuge zu richten haben. Wie ist es aber dort: Bin ich, weil ich auf dem Hochbord fahre, gezwungen, mich nach der – äußerst kurzen – Grünphase der Fußgängerampel zu richten, oder kann ich die lange Grünphase der Autos nutzen?

Eindeutige Regelungen fehlen aber nicht nur dort: Es heißt, Benutzungspflicht sei anzuordnen, wo es die Verkehrssicherheit erfordert. Ist das an der Josef-straße der Fall? In Richtung Lengericher Straße wird dies offensichtlich ver-neint: Hier besteht keine Radwegebenutzungspflicht. In umgekehrter Richtung besteht sie aber. Warum?

Ich fahre innerorts fast ausschließlich mit dem Rad. Und ich möchte es auch weiterhin tun. Will man in Lingen tatsächlich den Umstieg vom Auto auf das Rad fördern, muss das Radfahren, vor allem das Alltags-Radfahren komfortabel, zügig und sicher möglich sein. Das erfordert Innovationen, Investitionen und an manchen Stellen veränderte Prioritäten bei der Verkehrsführung. Und deshalb hat Herr Altmeppen m. E. Recht, wenn er von einem Paradigmenwechsel spricht – denn nur mit einem Paradigmenwechsel lassen sich die gesteckten Ziele erreichen.

Stellungnahme der verkehrspolitischen Gruppe des ADFC Lingen zum Thema „Verkehrsführung für Radfahrer in Lingen“

Das Resultat des ADFC-Fahrrad-Klimatests zeigt die Unzufriedenheit der Lingener Radfahrer/-innen bzgl. der Qualität der Verkehrsführung für Radfahrer. So erhält die Kategorie „Komfort beim Radfahren“ mit einem Wert von 3,75 eine relativ schlechte Beurteilung; darunter wird beispielsweise die Radwegebreite mit 3,76 bewertet. In den „offenen Bemerkungen“ fanden sich dazu u. A. folgende Äuße-rungen:

  • „Die Wege sollten mal erneuert werden (Schlaglöcher, Unebenheiten). Die Ab- und Aufkantungen bei Strassenmündungen sollten "weicher" sein.“
  • „Die Wege sind zu schmal und sind nicht immer logisch und durchgehend vorhanden.“
  • „Die Radwege sind ein wenig holprig.“
  • „In Lingen werden einfach Fuß- und Radwege zusammengeführt, was gera-de bei Engstellen zu Problemen führt.“
  • „Schlecht instandgehaltene Radwege.“
  • „Die Fahrradwege entlang der Meppener Straße von Holthausen nach Al-tenlingen befinden sich seit Jahren in einem verwahrlosten Zustand.“
  • „Die Radwege enden häufig plötzlich.“

Die verkehrspolitische Gruppe des ADFC bittet deshalb darum, ein Konzept für eine radfahrerfreundliche Verkehrsführung zu erstellen und zeitnah umzusetzen. Insbesondere sollten folgende Punkte Berücksichtigung finden: >> Mehr

Fahrradklimatest zeigt Defizite auf!

Die Fahrradabstellmöglichkeiten an der Halle IV reichen häufig nicht aus, um der Aufforderung von Stadt und Polizei nachzukommen, sein Fahrrad sicher anzuschließen. (Foto P. Blauert)

Ein bisschen neidisch schaut der ADFC Lingen auf die Nachbarstadt Bad Bentheim, die im Fahrradklimatest den ersten Platz in Niedersachsen erreicht hat. "Nur das Lingener Stadtzentrum ist besser zu erreichen als das in Bentheim Das hängt sicher mit dem neuen Tunnel unter den Bahngleisen zusammen," meint Trees Debeerst, die verkehrspolitische Sprecherin der Ortsgruppe des ADFC in Lingen. "Besonders freut mich, dass wir mit beachtlichen 373 abgegebenen Fragebögen überhaupt in die Wertung gekommen sind!" Am schlechtesten wird von den Teilnehmern die Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern in öffentlichen Verkehrsmitteln bewertet. Da ist Lingen schlechter als Bentheim und als der Bundesdurchschnitt! Für den Emsland-Radexpress muss wohl mehr Werbung gemacht werden!" ist das Resümee der Arbeitsgruppe Verkehrspolitik.

Auch die zahlreichen Fahrraddiebstähle in Lingen werden negativ bewertet und Lingen schneidet hier schlechter ab als Bentheim und als der Durchschnitt der übrigen bewerteten Städte. Schon lange fordert der ADFC an der Halle IV eine Erweiterung der Fahrradabstellmöglichkeiten; hier findet man selten noch einen Platz, um sein Fahrrad richtig anzuschließen. Wenig Punkte haben die Teilnehmer an der Umfrage Lingen bei den Fragen "Falschparker auf Radwegen", "Führung an Baustellen", "Breite der Radwege", "Ampelschaltungen für Radfahrer" und "Fahren im Mischverkehr mit Kfz" gegeben. "Wir brauchen in Lingen eine Verkehrsplanung vom Radfahrer aus!" fordert Axel Haming für die verkehrspolitische Gruppe des ADFC.

Beim Fragenkomplex zur Sicherheit und zum Stellenwert des Radverkehrs liegt Bentheim ebenfalls klar vorne. "Wir werden uns Bad Bentheim mal genau anschauen, da können wir in Lingen sicher noch etwas lernen" Wer seine Ideen einbringen möchte, ist bei unseren Treffen zum Thema "Radverkehr in Lingen" an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 20 Uhr im Kolpinghaus herzlich willkommen", so Trees Debeerst.

Zwei Neuerungen für Radfahrer in Lingen am Bahnhofsvorplatz und an der Kiesbergstraße

Seit vielen Jahren kritisiert der ADFC in Lingen die Radwegeführung an der Einmündung der Schwedenschanze in die Kiesbergstrasse: "Autofahrer können nicht erkennen, ob die Radfahrer in die Schwedenschanze rechts abbiegen werden oder weiter an der Kiesbergstraße entlang fahren. Bedingt durch die lang gezogene Abbiegespur fahren die Autos zudem sehr schnell." Mit der neuen Linienführung wird die Abbiegegeschwindigkeit reduziert und die Autofahrer können erkennen, wenn ein Radfahrer geradeaus fährt und ihm seine Vorfahrt gewähren.

Nicht ganz so lang auf der Wunschliste steht die direkte Auffahrt aus der Marienstraße auf den Radweg vor dem Bahnhof. Hier ist nun endlich auch der Bordstein abgesenkt worden. Aber das ist noch ein Geheimtipp, denn von der Marienstraße aus ist dies kaum zu erkennen. Eine rote Pflasterung mit einem Piktogramm und eine eingekürztes Blumenbeet - die Buchenhecke ist ja schon entfernt – wäre die Luxuslösung gewesen, die einer 2006 als eine der fahrradfreundlichsten Kommunen Niedersachsens ausgezeichneten Stadt gut zu Gesicht gestanden hätte (siehe Fotomontage unten). Ob auf die neue Zufahrt auch noch mit einem Schild aufmerksam gemacht werden sollte, darüber kann man geteilter Meinung sein. Denn eigentlich sollte die Radwegbenutzungspflicht in der Bernd-Rosemeyer-Straße aufgehoben werden!

Inzwischen ist die Fotomontage fast Wirklichkeit geworden: Seit März kennzeichnet ein Piktogramm die Auffahrt auf den Radweg vor dem Bahnhof. (Fotos P. Blauert)

Weitere Verbesserungsvorschläge für den Alltagsradler werden an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 20 Uhr im Kolpinghaus besprochen. Gäste sind herzlich willkommen.

ADFC-Standpunkt zum Artikel:

"Rechtsherum, linksherum – Kreisverkehre sind Unfallschwerpunkte – Häufig Kollisionen mit Radfahrern" (Lingener Tagespost am 14.12.11)

Es ist richtig: eine Reihe von Radfahrern fährt entgegen der Fahrtrichtung durch Kreisverkehre, eine Reihe von Radfahrern fährt auf der falschen Straßenseite und besonders in dieser Jahreszeit noch viel schlimmer: Viele fahren zudem noch ohne Licht! Linksfahrende Radfahrern werden von den Autofahrern erst spät (oft zu spät) bemerkt. Weshalb machen die Radfahrer es denn? Reine Bequemlichkeit? Nicht nur!

Aus Gründen der Schulwegsicherung werden Radwege oft auf der linken, falschen Seite freigegeben, wie z. B. in der Josef-Kaiserstraße, um vermeintlich unsichere Überquerungen oder Umwege zu vermeiden. Für Schulkinder bleibt es unerklärlich, warum hier die linke Seite erlaubt, dort aber verboten ist. Sie lernen, dass es scheinbar egal ist, wo sie fahren. Die Verkehrserziehung muss Kindern beibringen, wie und wo sie eine Straße sicher überqueren können; die Straßenplaner müssen Querungshilfen schaffen, damit kurze Wege für die Überquerung zur Verfügung stehen. Die Kette, dass Erwachsene ihr als Schulkind gelerntes Verkehrsverhalten wieder an ihre Kinder weitergeben, kann so durchbrochen werden. Wenn die Josef-Kaiser-Straße als Fahrradstraße ausgewiesen wäre, würden die Schulkinder an der Waldstraße schon auf der richtigen Seite ankommen. Eine Induktionsschleife würde Ihnen die Überquerung der Straße komfortabel machen. Und dann kämen sie nicht mehr auf der falschen Seite am Kreisverkehr am Willy-Brandt-Ring an.

Eine ähnliches „Folgeverhalten" gibt es bei den Zebrastreifen. Ein Leserbriefschreiber klagt, dass manche Radfahrer „ruckartig einen Schlenker über den Zebrastreifen machen". In Lingen werden die Radwege kurz vor den Kreuzungen von der Fahrbahn weggeführt und dann über einen Zebrastreifen und eine Dreiecksinsel geleitet. An den Kreisverkehren ist es ähnlich: Die Radfahrer werden erst nach rechts, teilweise sogar mit Anpflanzungen optisch von der Fahrbahn getrennt, zu weit in die zuführenden Straßen geführt, um diese erst danach zu überqueren. Für den Autofahrer ist die Fahrtrichtung der Radfahrer dadurch nicht vorhersehbar: „Er schlägt Haken". Eine bessere Radwegeführung würde dazu führen, dass die Autofahrer die Radfahrer frühzeitig wahrnehmen und ihnen beim Rechtsabbiegen bzw. beim Verlassen des Kreisverkehrs die Vorfahrt gewähren würden.

Der ADFC fordert deswegen für Lingen, dass Radwege direkt neben der Fahrbahn (ohne optische Trennung), eine Geradeaus-Führung über die Kreuzungen, eventuell als Fahrspur auf der Fahrbahn, und im Kreisverkehr richtig rund und nahe an der Fahrbahn geschaffen werden.

Der Verkehrsausschuss der Stadt Lingen favorisiert eine solche Maßnahme für die Kreuzung Waldstraße/Forstweg/Im Brooke: Neben der Wiederherstellung der Sichtdreiecke und Erneuerung der Markierungen und Wegweisung wurde auch „eine Verlegung des Radwegs an den Rand der Waldstraße" vorgeschlagen. Aber leider ist dieser letzte, sehr gute Vorschlag nur in die Langzeitplanung eingegangen. Der ADFC hätte eine kurzfristige Durchführung sehr begrüßt und wünscht solche Maßnahmen an vielen Stellen in der Stadt. Es könnte so die Sicherheit für alle erhöht und viele Unfälle vermieden werden. Bequeme und sichere Radwegeführungen sind Merkmale einer fahrradfreundlichen Stadt. Sie vermeiden Unfälle und motivieren dazu, in der Stadt das Fahrrad statt des Autos zu nutzen.

Der ADFC in Lingen kritisiert, dass Radfahrer wie hier am Kreisverkehr Frerener Straße / Kiesbergstraße im Zickzack geführt werden. Für Autofahrer ist oft nicht erkennbar, welche Richtung die Radfahrer einschlagen werden. (Foto: P. Blauert)

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